10 Jahre gemeinsamer Existenz als Streichquartett für neue Musik liegen hinter uns.


Was haben wir erreicht, sind wir auf dem richtigen Weg, wie soll es weitergehen?

Was wir wertschätzen, bleibt: spannende, innovative Kompositionen von Komponistinnen und Komponisten, von Künstlerinnen und Künstlern, die wir wertschätzen und die mit und für uns komponieren und arbeiten. Die beständige Arbeit an der Erweiterung des zeitgenössischen Repertoires für Streichquartett mit dem Ziel, die Musik unserer Zeit aus ihrem vermeintlichen Nischendasein herauszuholen, die unsichtbare Schale zu durchbrechen und sie abzuschütteln. Unsere Zuhörer erwarten keine klassischen Konzertsituationen mehr, stattdessen müssen sie ihre Hörgewohnheiten immer wieder aufs Neue hinterfragen – Überraschungen garantiert.

Als klassisches, auf zeitgenössische Musik spezialisiertes und auch improvisatorisch-kompositorisch agierendes Streichquartett tasten wir die Ränder, die Grenzen der klassischen Musik ab. Sind wir dadurch zwangsläufig eine Randerscheinung? Wie sehr nimmt man uns wahr und warum? Müssen wir weg von den Rändern und uns Richtung Zentrum bewegen, um besser gehört zu werden? Oder zeichnet unsere Arbeit ganz vorne an der Entstehung neuer Werke für unsere Gattung, an den beständig sich neu bildenden Rändern, uns nicht gerade besonders aus und macht uns einzigartig?

Wir begeben uns in unserem Tun immer wieder an Grenzen: an die Ränder unserer Instrumente, den Rand der Hörbarkeit, des Erträglichen, des Spielbaren.

Unser Körper beim Musizieren: Steht er im Mittelpunkt oder ist er nur am Rande wahrnehmbar? Was ist, wenn dieser Körper, der nur Instrument einer größeren Sache ist, manipuliert, im wahrsten Sinne unter Strom gesetzt wird? Unser Körper, der sich meist nur dann bemerkbar macht, wenn er nicht so funktioniert, wie wir es wollen.

Klassische Ränder in der Musik sind z.B. Takte bzw. Taktstriche oder musikalische Sätze. Schon lange kommen wir ohne sie aus – und doch ist es oftmals sinnvoll, sie als Gliederung zu benutzen. Wie sehen im Gegensatz zur klassisch notierten Musik die Ränder in der grafischen oder freien Notation aus?

Werke der bildenden Kunst haben i.d.R. klar definierte Ränder, sind in sich abgeschlossen. Sie entstehen aus dem Körper des Künstlers heraus, vornehmlich mithilfe seiner Augen. Manchmal ist aber auch Musik im Spiel: Was hört der Künstler beim Schaffen oder Betrachten seines Kunstwerks? Können wir als Quartett diese imaginäre und sehr persönliche Musik für den Künstler, aber auch für unser Publikum hörbar machen?

Ausgehend von diesen Fragestellungen werden wir uns im Jahr 2018/19 in einer Reihe von sechs Konzerten an unterschiedlichen Orten in Berlin der musikalischen Auseinandersetzung mit Randphänomenen in der Kunst widmen. Bildende Kunst, das gesprochene oder gesungene Wort, die menschliche Stimme und die Möglichkeiten ihrer elektrischen Verstärkung und
-Verfremdung, der menschliche Körper als Ausgangspunkt jeglichen künstlerischen Schaffens – all diese Aspekte werden zu klingender Musik, zu neuen Randwegen für unser Streichquartett.



Konzert 1

Dieter Appelt (*1935) / Sonar Quartett: ​Neues Werk (2018, UA) ​​

Benjamin Britten (1913-76) Streichquartett Nr. 1 D-Dur op. 25 (1941)

Johannes Borowski 2.Streichquartett


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Konzert 2

Ming Tsao (*1966):​Pathology of Syntax (2006-07) ​​​

Ludwig v. Beethoven (1770-1827):​Streichquartett Nr. 16 F-Dur op. 135 (1826)​


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Konzert 3

Helmut Zapf (*1956) ​Verschwommene Ränder / 9 Bagatellen (2012/13) ​

Leoš Janáček (1854-1928) ​Streichquartett Nr. 2 „Intime Briefe“ (1928)

Hendrik Jackson Lesung 


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Konzert 4

Alwynne Pritchard (*1968)  ​​Phatic Beast für Streichquartett (2017, UA)​​

Natacha Diels (*1981) ​​Nightmare for JACK (2013)​​​​

Dmitri Schostakowitsch (1906-75): ​Streichquartett Nr. 3 F-Dur op. 73 (1946)


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Konzert 5

Mathias Hinke (*1973) ​Am Rande für Streichquartett, 2 Schauspieler und 1 Sänger (2018, UA)​


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Konzert 6

Tobias Schwencke (*1974):​Neues Werk für Streichquartett und Beatboxer (2018, UA)

Karen Power      Here not here (2016)

Aurélien Dumont (*1980) Beati Pacifici für Streichquartett (2012) ​​

Sonar Quartett.   ​Neues Werk (UA) ​





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