Seit seiner Gründung 2006 tastet das Sonar Quartett immer wieder die Ränder der klassischen Musik ab, es erschafft Utopien und improvisiert Klangabdrücke, deren Nachhall schon den Weg zum nächsten notierten Werk nährt. Die vier in Berlin lebenden Musiker:innen Susanne Zapf, Wojciech Garbowski, Ian Anderson und Konstantin Manaev verstehen sich als komponierendes Streichquartett, das weit über vermeintliche Genregrenzen hinausgreift, indem es sich auch der eigenen Körper, elektronischer Verstärkung und Verfremdung bedient oder auch bildkünstlerische Werke in Klang verwandelt. Neue Musik geht mit dem Sonar Quartett über das Hör- und Sichtbare hinaus, sie wird für die Spielenden und für die Zuhörer:innen gleichermaßen zu einem taktilen Erlebnis.

 

Das Sonar Quartett war in den vergangenen Jahren mit Konzerten bei einschlägigen Festivals wie London Ears, Gaudeamus Utrecht, Présences Paris, Tage Neuer Musik Zürich, Pan Music Festival Seoul, Festival Musiiki Aika (Finnland), Huddersfield Contemporary Music Festival, Era Schaeffera Warschau, KLANG Kopenhagen Avantgarde Music Festival, Nauriz XXI Almaty (Kasachstan), Festival de Musica de Morelia(Mexiko) und Open Days Aalborg zu Gast. Daneben konzertierten sie bei den Festivals Ultraschall Berlin, MaerzMusik, dem Forum Neuer Musik des Deutschlandfunk, dem Siemens Arts Program, dem Bachfest Leipzig und den Wittener Tagen für neue Kammermusik.

 

Vom klassischen Streichquartett Beethovens über selten gespielte Komponisten wie Friedrich Goldmann, das neu erarbeitete Werk „Cat O‘Nine Tails“ von John Zorn bis hin zu jungen Komponist:innen wie beispielsweise Farzia Fallah – das Repertoire des Sonar Quartetts präsentiert eine große musikalische Bandbreite. Davon zeugt auch die Zusammenarbeit mit Künstler:innen wie Dieter Appelt, Alwynne Pritchard – Komponistin und Performerin – oder Beatboxer Daniel Mandolini in einer Komposition von Tobias Schwencke. In Zukunft möchte sich das Ensemble außerdem intensiver mit Elektronik beschäftigen, um die eigenen Werke klanglich zu erweitern.

 

Als komponierendes Streichquartett schafft das Sonar Quartett in der konsequenten Weiterentwicklung der gemeinsamen Improvisation notierte Kompositionen, reproduzierbar und dennoch flexibel durch die jeweilige Interpretation. Dies bedeutet für die vier Berliner Musiker:innen eine sehr unmittelbare Form des Ausdrucks, die über die Jahre der Zusammenarbeit entstanden ist: das Spielen zeitgenössischer Kompositionen wurde ergänzt, kontrastiert und reflektiert in gemeinsamen Improvisationen. Dabei entstanden magische Klänge, sehr reiche, ungewöhnliche Klangwelten wurden aufgestoßen. In der Folge manifestierte sich der Wunsch, diese Improvisationen festzuhalten, wiederholbar zu machen und dazu zu viert ein System der Kommunikation und der Notation zu entwickeln und den gemeinsamen Klang immer wieder neu zu suchen, zu definieren und festzuhalten.

 

So etabliert sich das Sonar Quartett seit 2019 mit seiner CD SONAR (Are Verlag), der Komposition Lunik I (Huddersfield Contemporary Music Festival) und Magma (Konzertreihe EVOLUTION) als komponierendes Streichquartett. Mit diesem Engagement möchte das Ensemble einen neuen Bereich definieren und Standards setzen: es wird durch das gemeinsame Komponieren kein Komponist, die Musiker:innen treten nicht wie ein:e Komponist:in in Erscheinung, sondern die gemeinsam entwickelten Stücke sind Konzeptkunst, Kollektiv-Kompositionen.

 

Während der Pandemie hat diese Form des Ausdrucks aus einer neuen Perspektive an Bedeutung gewonnen, zumal eine sehr intensive Arbeit an den eigenen Kompositionen erfolgte, die in mehreren Videos und im Livekonzert präsentiert werden konnten. Trotz ihrer Wiederhol- und Reproduzierbarkeit sind die Werke immer auch Reaktion auf den jeweiligen Raum, werden im Dialog mit dem Publikum einzigartig. Konzerte sind fundamentaler Bestandteil der künstlerischen Arbeit, da sie Spiegel und Referenz sind, die Stücke erst dort lebendig werden. Die Musiker:innen verstehen sich gleichermaßen als Klangforscher:innen, die an der Grenze von Komposition und Improvisation experimentieren, forschen und dadurch herausstellen, welchen unersetzlichen Wert das Livekonzert-Erlebnis durch die Flexibilität und Reaktionsmöglichkeiten ausmacht.

 

Aus dieser Arbeit ist auch das aktuelle Album LUNIK entstanden, auf dem die Werke zwar gebannt sind, durch die jeweilige Rezeption der Hörerin oder des Hörers aber ihre ganz eigene Interpretation erfahren werden.